Corona

Werders Cheftrainer freut sich!




An alle Kolleg_innen, Kund_innen und Partner_innen vom Haus der Dokumente in Bremen:


Es ist Samstagmorgen. Meine Familie schläft noch, doch mein Magen knurrt und der Kühlschrank ist leer. Also auf zum Bäcker. Als ich die Haustür hinter mir zuziehe, sehe ich den Nachbarsjungen, der mit seinen drei Freunden im Hof Fußball spielt. Der Ball fliegt in meine Richtung, zack gerade noch rechtzeitig mit dem Fuß abgewehrt und zurückgeschossen. Wir müssen alle lachen und im Vorbeigehen wuschel ich dem einen von ihnen kurz durch seine blonden Locken. Die Luft ist mild und die Vögel zwitschern. Auf meinem Weg sehe ich zwei junge Frauen, die sich zum Abschied einen Kuss auf die Wange geben. Die Türglocke klingelt, als ich die Bäckerei betrete. Gerade bezahlt eine alte Dame mit kleinen Münzen. Dankbar tätschelt sie der Bedienung den Arm, als diese ihr ein extra großes Stück Butterkuchen reicht. Ich halte ihr die Tür auf, sodass sie leichter hinaustreten kann. Dann bestelle ich eine große Tüte gemischte Brötchen und mache mich auf den Heimweg. Zuhause erwartet mich bereits meine Familie und auch die Freundin meiner Tochter ist zum Frühstücken vorbeigekommen. Ich begrüße sie fröhlich und nehme sie herzlich in den Arm. Wir essen draußen auf der Terrasse und erledigen danach noch den Abwasch – gemeinsam geht’s ja auch viel schneller.


Weil das Wetter so schön ist, beschließen wir spontan, an den Unisee zu fahren. Offenbar hatten noch mehr Leute die Idee: dicht an dicht liegen die bunten Handtücher, Bälle fliegen durch die Gegend und mehrfach ertönt das Anstoßen von Beck’s Flaschen. Wir teilen uns mit unserem Handtuchnachbarn eine Packung Kekse und bekommen im Gegenzug etwas von seinem Grillgut ab.


An diesem herrlichen Abend sind wir mit Freunden an der Schlachte verabredet. Auch hier ist reger Verkehr, die Stimmung ist ausgelassen. Wir essen die Pizza mit bloßen Händen, lecken uns die fettigen Finger und stoßen mit kühlem Wein an. Das Leben ist schön.


Es ist Tag 1. Tag 1 nach Corona.


Wir freuen uns auf diese Zeit, in der man wieder seine Freunde treffen und sie in den Arm nehmen kann, sich das gleiche Essen teilt und neue Freundschaften am See schließt, einfach weil die Handtücher so dicht beieinander liegen. Diese Zeit ist nicht mehr weit weg. Wir freuen uns auf Tag 1 – Tag 1 nach Corona.

Text von Sophie Flock
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